Erzählungen 2020/2 - Claus Schierenbeck - cds.art.de

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CLAUS SCHIERENBECK

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ERZÄHLUNGEN AUS DEM LEBEN

- 2020/2 -



Naja, so schlimm kann's ja wohl nicht sein ...
Claus Schierenbeck, 10. Juli 2020


Sandra ist 47.
Vor einem Jahr hatte sie Hautkrebs und ein idiotischer Arzt hat ihr gesagt, dass sie nur noch ca. 2 Jahre zu leben hat. Nach dieser Aussage war sie noch bei anderen Ärzten. Die haben ihr gesagt, dass es ja Blödsinn sei, so etwas zu sagen. Aber die Saat war gesät und die Gedanken kreisen. Um etwas dagegen zu tun, ist sie wie ich gerade in einer psychosomatischen Klinik (ich bin hier wegen einer OP, die ich gerade vor mir habe und wegen eines Traumas damit ein Problem habe).
Sandra hat zwei Kinder und einen sehr netten Freund, den ich gestern kennengelernt habe.
Sie und Gerhard sind beide sportlich, durchtrainiert, schlank und ziemlich „kernig“.

Sandra war Anfang März schon einmal in der Klinik. Sie hat sich hier mit dem Coronavirus infiziert. Die Klinik wurde aufgrund des Corona-Ausbruchs wieder geschlossen und Sandra ist nach Hause gefahren. Die ganze Familie hat dann Corona / Covid-19 bekommen.
Corona.
Naja, so schlimm kann‘s ja wohl nicht sein…
Sind ja sowieso nur Ältere betroffen…
Ist wie ne Grippe oder so …
Alles „Fake“ …
Sandras Kinder hatten nur ein bisschen Fieber, Sandra selbst hatte „so etwas“ wie eine stärkere Grippe.

Und gestern beim Essen hat dann Gerhard erzählt, wie es ihm ergangen ist. Wie gesagt – kernig, durchtrainiert und fit wie `n Turnschuh.
Gerhard bekam Fieber, über 39° Fieber. Er konnte sich kaum noch bewegen, weil das Fieber ihn so platt gemacht hatte. Dazu kam Husten. Der Husten war richtig heftig.
Nach 9 Tagen dachte er, dass es wohl doch mal Zeit wäre, ins Krankenhaus zu gehen.
Eine Woche im Krankenhaus mit Sauerstoff, aber glücklicherweise noch keine Beatmung.
Dann hat man ihn entlassen, weil eine „Besserung“ eintrat.
Er hatte aber wieder Schmerzen in der Brust, bekam keine Luft mehr.
Krankenwagen – Krankenhaus. Sein Zimmer war noch frei.
Jetzt ging es ihm richtig schlecht. Und dann folgten 4 Wochen Krankenhaus.
4 Wochen des Leidens, der Schmerzen, der Ungewissheit. Sauerstoff, platt und nicht in der Lage, etwas zu tun. Und dazu ein Lungenfellriss.
Die Röntgenbilder seiner Lunge seien erschreckend, sagt er. Alles ist weiß, was sonst dunkel auf den Bildern erscheint. Heißt, die Lungenentzündung hat die gesamte Lunge befallen.
Auch nach der Entlassung hat sich die körperliche Schwäche nicht richtig gelegt. Gestern war für ihn der erste Tag, an dem er mal wieder gewandert ist und Luft bekommen hat. Aber auch das nur langsam.

Ich sitze hier im wunderschönen Bayern und schreibe das auf, weil es mir zum erste Mal klar geworden ist, was es bedeuten kann, diese Krankheit zu haben und nicht zu wissen, ob man das überlebt oder nicht.
Gerhard ist der erste Mensch mit einer Corona-Infektion, den ich kennengelernt habe. Und dieser kurze Bericht ist nur ein kleiner Abriss dessen, wie es Gerhard erging.
Diese Krankheit ist für manche Menschen ein Überlebenskampf. Die Panik, die aufkommt, langsam zu ersticken und nichts dagegen tun zu können. Der Körper, der langsam den Kampf aufgibt und es nicht mehr schafft. Es ist eine furchtbare Vorstellung.
Corona.
Naja, so schlimm kann‘s ja wohl nicht sein …
Sind ja sowieso nur Ältere betroffen …
Ist wie `ne Grippe oder so …
Alles „Fake“…, – Oder wohl doch nicht…!!!

Nun, es ist ja jedem selbst überlassen wie er mit Corona, Maskenpflicht und Abstand umgeht. Aber vielleicht wäre es ganz gut mal darüber nachzudenken, was man sich selbst oder anderen mit einer Ansteckung antun kann.
Ich jedenfalls war von dem Bericht von Gerhard so schockiert, dass ich versuchen werde alles zu vermeiden, was krank macht.

Liebe Sandra, lieber Gerhard,
Ich wünsche Euch, dass Ihr beide über diese Zeit hinwegkommt und beide wieder gesund und fröhlich in die Zukunft schauen könnt. Nehmt das Hier und Jetzt – und lebt den heutigen Tag. Er ist der wichtigste Tag in Eurem Leben.
Es hat mich sehr gefreut, Euch kennengelernt zu haben. Ich hoffe, dass wir in Kontakt bleiben.


Schlechte Zeiten ...?
Claus Schierenbeck, 23. Dezember 2020

Allüberall hört man nur noch von schlechten Zeiten, die wir haben.
Eins ist klar, die Krankheit ist kein Witz, kein Fake. Sie ist da! Und wir haben damit ein Riesenproblem.
Wir können nicht damit umgehen.
Weder Wissenschaftler, noch Politiker, noch Querdenker, oder wer immer.
Wir alle, 7,835 Milliarden Menschen überall auf der Welt können nicht damit umgehen.
Warum nicht?
Es sollte doch in der heutigen Zeit, in der fast alles möglich ist, auch möglich sein, mit solchen Krankheiten umzugehen.
Aber – warum müssen wir denn damit umgehen?
Sollten wir nicht besser von vornherein verhindern, dass solche Krankheiten überhaupt ausbrechen und sich in solchen Dimensionen verbreiten.
Dafür müssten die Menschen aber schlau werden und über die Erde, die Tiere, das Klima, die Bodenschätze, die Überbevölkerung und so weiter und so weiter nachdenken.
Ich fürchte, das wird nix…
Das nächste Virus kommt bestimmt und wird vielleicht noch tödlicher. Können wir dann damit umgehen? Oder läuft es wieder auf die Notbremse „lockdown“ hinaus? Und das sollte wirklich nur eine Notbremse sein…
Helfen beim nächsten Virus noch Masken, oder brauchen wir dann einen Ganzkörperschutz?
Nun haben wir schon ein Jahr Zeit gehabt, über alle Gegebenheiten nachzudenken. Herausgekommen ist ein Impfstoff. Und in der Zeit, in der der Impfstoff entwickelt wurde, ist das Virus schon mutiert! Und es bleibt zu vermuten, dass es weiter mutieren wird. Was dann?
Wieder Notbremse, wieder „lockdown“, wieder von vorne das ganze „Spiel“.
Für jeden krankheits oder wirtschaftlich Betroffenen sind es natürlich schlechte Zeiten.
Aber für die Menschheit sind es vielleicht gar nicht so schlechte Zeiten, in denen wir gerade leben, sondern Zeiten in denen ein gewaltiger Umbruch stattfinden sollte und alle gefordert sind.
Zeiten des Nachdenkens, Zeiten der Veränderung – Zeiten der Achtung, des Respekts.
Zu Weihnachten spricht man seit Menschengedenken von besinnlichen Zeiten. Weihnachten war bis dato niemals besinnlich. Alles nur Hektik, alles nur Stress.
Dieses Jahr ist es zum ersten Mal anders.
Dieses Weihnachtsfest könnte besinnlicher, besonnener, stressfreier, ruhiger und stiller werden.
Stille Nacht, heilige Nacht.
Ich wünsche allen schöne Weihnachten und ein achtsames neues Jahr.


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